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Dürfen die öffentlich-rechtlichen noch Sport? Neue Marktchancen für Sport-Verbände dank neuen Anbietern

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Auf Medienwoche.ch befasst sich Adrian Lobe mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Sportübertragsungsrechte, vor allem aus bundesdeutscher Sicht. Er fragt: “Hat das öffentlich-rechtliche TV-Modell ausgedient? Im Sport- und Unterhaltungsbereich sind die Zeichen der Machtverschiebung nicht zu übersehen: Pay-TV statt Free TV. “ Immerhin stellt er dann im zweitletzten Abschnitt noch den irreführenden Begriff ‘Free-TV’ klar: “Der Vormarsch der Streaming-Dienste könnte das Ende des Free TV besiegeln – wobei das auch immer eine Illusion war, weil sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk über Gebührengelder, die faktisch eine Zwangsabgabe sind, finanziert und die Privatsender sich über Werbung finanzieren.”

 

Ja: Sportverbände haben auch hierzuland das Potenzial der TV-Übertragungsrechte entdeckt und versuchen, schwindende Zuschauerzahlen in den Stadien mit besseren TV-Deals zu begegnen. Dabei ist es hinderlich, sich wie gewohnt an die öffentlich-rechtlichen Sender anzulehnen und die Übertragung samt und sonders denen zu überlassen. Das bringt zwar Reichweite, aber kaum die Einnahmen, die anderswo möglich wären. Angezeigt ist vielmehr, dass Verbände und Vereine selber eine TV-Live-Übertragung auf die Beine stellen und diese anschliessend in allen möglichen Formen über alle möglichen Kanäle auf den Markt bringen.

 

Aber Nein: Aus dieser Entwicklung gleich zu schlussfolgern, dass damit das Ende des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (sog. Free-TV) besiegelt sei, ist völlig unsinnig. Auch wenn Live-Übertragungen künftig bei neuen Playern (Pay-TV-Dienste im Kabel oder Streaming-Anbietern im Internet) zu sehen sein werden, gibt es immer noch Raum für eine kompetente und somit attraktive (zeitversetzte, ausschnittweise) Sportberichterstattung. Deshalb ist auch der Titel von Lobes Artikel: "Fernsehen wird zum Luxusgut" falsch. Doch wer viel und exklusives sehen will, kann dafür entsprechend mehr aufwenden. Das ist gleich wie beim Mittagslunch: Wer Menu Eins nimmt, bezahlt weniger als wer sich an einem fünfgängigen Businesslunch delektiert. Völlig quer in der Landschaft stehen angesichts dieser Entwicklung Zwangsgebühren, mit denen ein wesentlicher Teil der persönlichen Medienbudgets abgeschöpft wird und wo die Gegenleistungen (wie gerade etwa beim Sport) immer geringer werden. 

In der Schweiz läuft diese Frage unter der Service-Public-Debatte im eidg. Parlament ansteht. Sollen Gebührengelder aufgewendet werden, um Sport zu übertragen, wenn kommerzielle Anbieter das genau so gut, wenn nicht sogar besser, können? Es wird interessant sein zu sehen, inwiefern gerade Sportverbände ihre neuen Chancen erkennen und packen oder ob die Beschwichtigungsgesänge der SRG verfangen und der Status-Quo verlängert wird.

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