Fakten, Meinungen & Visionen für eine schweizerische Medienpolitik im 21. Jahrhundert

Im Fokus:

→ Ein Plan B für die SRG nach No-Billag
  1. Die SRG braucht (nur) ein neues Inkasso-Modell
  2. Die SRG bleibt schweizerisch und sendet in allen Landesgegenden
  3. Die SRG strafft ihr Angebot so, dass sie wachsen kann
  4. Die SRG ändert ihre Strukturen so, dass sie an der Börse Kapital beschaffen kann
  5. Eine neue Medienpolitik schafft geeignete Rahmenbedingungen

→ NZZ-Artikel «No Billag» heisst «Yes, SRG»
  • Service public ohne Mediensteuer
  • Ein privates Gebührenmodell
    mittels Pay-TV

→ Grundsätze für eine Medienordnung im 21. Jahrhundert
  1. Eigenverantwortliche Kommunikation
  2. Privatwirtschaftliche Medienunternehmen
  3. Infrastruktur als Staatsaufgabe

Es geht auch ohne Werbung: So kann im Internet Geld verdient werden

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Viele Zeitungsverlage haben Mühe, mit ihren Inhalten im Internet Geld zu verdienen: Paywalls und Abos bringen zu wenig, Werbung ist oft verpönt, wird deshalb immer häufiger blockiert und so schwinden die ohnehin geringen Einnahmen weiter. Kryptowährungen wie Bitcoin eröffnen nun einen neuen Lösungsansatz. Nicht indem damit bezahlt wird, sondern indem sie geschürft werden. 

Um neues Kryptogeld zu schaffen, braucht es immense Rechenleistungen, um die zunehmend komplexen Verschlüsselungsverfahren zu berechnen. Erfahrene Computer-Freaks mit günstigen Stromtarifen betreiben dazu spezielle Rechner, die ordentlich Abwärme erzeugen und spezialisierte Firmen mit Investoren-Absichten haben in Server-Farmen tausende solcher Computer am Laufen. Wer mit Kryptogeld zu Einnahmen kommen will, braucht also massiv Rechenleistung.
Nach dem Motto 'Kleinvieh macht auch Mist' haben nun findige Köpfe einen anderen Weg gefunden, um zu Rechenleistung zur Berechnung von Kryptogeld zu kommen: Wer mit einem Browser deren Websites besucht, dessen persönlicher Computer wird benutzt, um in dieser Zeit einen Beitrag zur Berechnung von Kryptogeld zu leisten. Websites mit genügend grossen Besucherströmen, wie eben beispielsweise von Medien, kommen dafür in Frage.
Das Fremd-Schürf-Fieber ist erst einige Wochen alt. Coinhive ging am 14. September 2017 als einfache Java-Script-Anwendung an den Start, die von Webmastern einfach installiert werden kann, um anstatt mit klassischer Onlinewerbung mit Kryptogeld (Monero) zu Einnahmen zu kommen. Die Coinhive-Schöpfer waren nicht die Ersten und sind nicht die Einzigen. Zwar waren ihre Absichten gemäss ihrer Website, eine Alternative zur lästigen Online-Werbung zu bieten, durchaus ehrenswert. Doch bald wurde ihre Software auf verschiedenste Weise missbraucht. Sie wurde ohne Zustimmung der Browser-Benutzer eingesetzt und etwa in Browser-Erweiterungen eingebaut, die ständig laufen und nicht nur dann, wenn eine Website benutzt wird. Das rief alsbald Anbieter von Werbeblockern auf den Plan, die begannen solche Schürf-Programme still zu legen. So berichtete AdGuard am 12. Oktober von 500 Millionen betroffener Benutzer weltweit. 
„Do-Not-Track“ als Vorbild -- aber umgekehrt
So sieht es derzeit danach aus, dass diese ebenso innovative wie legale Methode bald ebenso verpönt sein wird, wie die nervige Werbung. Das ist schade und muss nicht sein. Es geht vor allem darum, dass Benutzerinnen und Benutzer bevor ihr Computer zum Schürfen benutzt wird, nicht nur darüber informiert werden, sondern auch die Zustimmung dafür müssen geben oder verweigern können. Weil der Original-Skript von Coinhive von Werbeblockern gebannt wird, haben die findigen Köpfe mit AuthedMine eine Version geschaffen, die nur mit Einverständnis der Benutzer soll eingesetzt werden können. 
Diese Zustimmung fürs Schürfen anstelle von Werbung könnte durch eine Ergänzung des Http-Protokolls für die Auslieferung von Webseiten einfach automatisiert werden. So wie heute die meisten Browser eine Einstellung haben, mit der das Herstellen von Nutzungsprofilen unterbunden werden soll ("Do Not Track"), ist auch eine Einstellung vorstellbar, mit der das Schürfen auf dem Computer freigegeben werden kann ("mine me"). Allenfalls nur für bestimmte Websites wie zum Beispiel eben für geschätzte Medienangebote. 
Wer seinen Browser so einrichtet, kann das volle Angebot nutzen, ohne sich über Werbung ärgern zu müssen. Allenfalls bemerkt man, dass der Lüfter des Compi anspringt, wenn man länger auf einer solchen Website verweilt, weil der Prozessor ins Schwitzen kommt. So wird es denn zur persönlichen Entscheidung, wie lange eine solche Webseite geöffnet bleibt, damit der Absender damit Geld verdienen kann. Medienangebote sind nur ein möglicher Anwendungfall. Man stelle sich etwa Sammelaktionen für gemeinnützige Zwecke aller Art vor, die so zu Geld kommen, indem Benutzer ihre Computer zur Verfügung stellen, die sie gerade nicht für anderes brauchen. Vor allem im Büro, wenn's eh der Chef zahlt...
Wetten, dass Krypto-Schürfen viel schneller schlecht-geredet wird, als dass es zu einer nützlichen Anwendung entwickelt werden kann?

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