Fakten, Meinungen & Visionen für eine schweizerische Medienpolitik im 21. Jahrhundert

Im Fokus:

93solid: Ein neuer Medienartikel 93 in der Verfassung
  • Keine Zwangsgebühren, aber verfassungsmässige Grundlagen für Mediensteuer-Modelle
  • Keine Subventionen für Sender, aber Leistungsaufträge und Fördergelder für Medienproduktionen
  • Keine reine Bundeshoheit, aber Mitwirkung für Kantone und Gemeinden
  • Keine radikalen Einschnitte, aber eine allseits verträgliche Umsetzung.
→ NZZ-Artikel «No Billag» heisst «Yes, SRG»
  • Service public ohne Mediensteuer
  • Ein privates Gebührenmodell
    mittels Pay-TV

→ Grundsätze für eine Medienordnung im 21. Jahrhundert
  1. Eigenverantwortliche Kommunikation
  2. Privatwirtschaftliche Medienunternehmen
  3. Infrastruktur als Staatsaufgabe

Was beim Lauberhornrennen und anderen Sportanlässen bei der SRG schief läuft und was zu ändern ist

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Die Sportverbände haben keine Freude an der No-Billag-Initiative. Denn sie gefährdet eine jahrzehnte-alte Fehlentwicklung auf dem Buckel der Gebührenzahler: Für Veranstalter grösserer Sportereignisse ist es selbstverständlich, dass “das Fernsehen kommt” und gratis und franko darüber berichtet.

Erhellend dazu ist etwa die Stellungnahme des Schweizer Radsportverbandes Swiss Cycling:

Die SRG bietet den Verbänden, Sportvereinen, den Athletinnen und Athleten sowohl aus dem Spitzensport wie auch aus dem Breitensport und allen Sportarten mit wenig Medienpräsenz eine wichtige Plattform. (...) Keine TV-Präsenz würde weniger Verbreitung und Beachtung bedeuten, was wiederum zu weniger Einnahmen durch Werbung und Sponsoring.

Gleich tönt es bei Swiss Athletics, dem Fachverband für die Leichtathletik:

Die Produktion durch die SRG ist für diese Events überlebenswichtig, denn keine TV-Präsenz bedeutet weniger Verbreitung und Beachtung, was wiederum zu weniger Einnahmen durch Werbung und Sponsoring führt.

Klare Worte auch bei Weltklasse Zürich, dem Leichtathletik-Event im Zürcher Letzigrund:

Dem Schweizer Sport und Weltklasse Zürich gingen damit wichtige finanzielle Mittel verloren. Weltklasse Zürich ist auf eine qualitativ hochstehende Fernsehproduktion und die damit verbundene Berichterstattung in alle Welt angewiesen.

Ein besonders eklatanter Fall ist das Lauberhornrennen in Wengen: Laut Angaben der SRG refinanziert sie über die Werbung bloss 10 bis 20 Prozent ihrer Produktionskosten. Mit der grossen Kelle (Kran-Kameras, Superslow-, Hyperslow- und Highspeedkameras, Helikopter-Kamera etc.) wird angerichtet, weil damit den Sponsoren eine hohe Sichtbarkeit geliefert wird und der Veranstalter (in diesem Fall der Skiverband Swiss Ski) macht entsprechende Vorgaben. Denn die Sponsoren tragen jedoch 90 Prozent der Kosten dieser Weltcuprennen. Grosser Profiteur der TV-Bilder ist auch die Tourismusbranche. Gebührengelder werden hier offensichtlich zur Wirtschaftsförderung zweckentfremded.

Man merkt: Ohne dass es dafür einen expliziten Auftrag in der Konzession gibt, gewährleistet die SRG die Aufmerksamkeit beim Publikum für Sportanlässe, die so gute Geschäfte machen können. -- Übertragen auf die Wirtschaftswelt hiesse das: Will ein Unternehmen ein neues Produkt lancieren, kommt die SRG und berichtet live in aller Ausführlichkeit darüber. Unvorstellbar -- aber beim Sport selbstverständlich.

Das heisst weder, dass die SRG keine solche Sport-Übertragungen produzieren soll, noch dass sie darüber nicht berichten sollte. Aber mit anderen Rollen: Die Veranstalter können die SRG oder andere Produzenten mit der TV-Berichterstattung beauftragen und die so erstellten Inhalte verkaufen. Die SRG, wie jeder andere TV-Sender auch, wird dann auswählen, welche Bilder sie zu welchem Preis übernehmen will und kann.

Gut möglich, dass die Live-Übertragung von Spitzenereignissen bei der SRG nicht gibt, weil sie zu teuer sind. Dafür werden zeitversetzte Zusammenschnitte billiger eingekauft. Gut möglich, dass gewisse Anlässe nicht länger so üppig wie bisher übertragen werden, weil es dafür keine Nachfrage gibt, die einen entsprechenden Aufwand rechtfertigt. Also wird der Veranstalter weniger ausschweifende Bilder herstellen lassen und anbieten. Gut möglich, dass über Sportarten häufiger berichtet wird, die heute beim Fernsehen kaum zum Zuge kommen. Weil sie es fertig bringen, gute Bilder zu günstigen Konditionen anzubieten. -- Ein solches Vorgehen ebnet den Weg für zahlreiche neue Unternehmen, die audio-visuelle Produktionen samt einer zeitgemässen Verbreitung (z,B. über Streaming) anbieten.

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